In der Emilia-Romagna auf Verdis Spuren
Eine Stunde Autofahrt vom Gardasee nach Parma, vorbei an imposanten Burgen und Festungen durch die Bassa, die Ebene, die zu den Ufern des Po führt und man ist in der Emilia-Romagna.
Keine Touristenschwärme! Eine spürbar saubere Luft und Vogelgezwitscher überall! Man sagt, dass der Rhythmus der Verdi-Opern seinen Ursprung aus dem Gemüt dieser Erde entnommen hat…
Von Parma sind es 40km und wir sind in Roncole, wo Verdi am 10. Oktober 1813 geboren wurde - Verdi betonte immer, dass er ein „einfacher Bauer aus Roncole“ sei. In diesem 7000-Seelen-Dörfchen schauen wir uns Verdis Geburtshaus und die Taufkirche (wo er seine ersten Übungen auf der Orgel machte) an.
Busseto – alles ist voller Musik
Es geht weiter in das 5km entfernte Busseto mit seinen erfrischenden Arkadengängen. Zu Busseto empfand Verdi eine Art Hassliebe. Ihre Bewohner haben für ihn in der mittelalterlichen Festung am Marktplatz ein prunkvolles Theater zu seinen Ehren errichtet. Er, der damals verärgert über die unnötig verschwendeten Gelder war, erschien nicht zur Eröffnung, obwohl die Damen für ihn grüne Kleider und die Herren grüne Krawatten (grün = verde…) trugen.
In diesem entzückenden kleinen Theater dirigierte auch schon Toscanini und man kann heute noch bezaubernde Opernvorstellungen besuchen (Karten unter 0039-0521-391320, unbedingt vorbestellen!).
Auf der Piazza sitzt der Maestro persönlich im Sessel als viel photographierte Bronzefigur.
Dieser Marktplatz bewahrt seinen urbanen Charakter des 15. Jahrhunderts. Er wird umschlossen von mit Terrakotta-Kacheln geschmückten Gebäuden.
Der Palazzo Barezzi liegt auf der anderen Marktseite. Verdis erste Frau Margherita war die Tochter seines großen Gönners Barezzi (sie und die zwei Kinder starben sehr früh).
In diesem Palazzo besuchen wir das imponierende Verdi-Museum mit Originalpartituren, Fotos und Gemälden.
Essen und Trinken in Busseto
Jetzt brauchen wir eine Ruhepause und finden die historische „Salsamenteria“ im Zentrum. Diese urige „Galerie typischer Aromen der Po-Ebene“ (wie das kleine Restaurant genannt wird) ist etwas für Liebhaber der exquisiten Küche der Emilia-Romagna, die auch Verdi sehr schätzte. Hier können Sie den besten Schinken Italiens, den Culatello, genießen oder den herrlich würzigen Parmigiano mit Feigenpesto. Mit den reizenden Einheimischen kommt man dort leicht ins Gespräch – Thema Verdi - und genießt gemeinsam die Hintergrundmusik - natürlich von Verdi….
Danach trinken wir einen Kaffee oder Espresso in einem der zahlreichen Arkaden-Cafés, essen dort eine „Torta Otello“ oder „Torta Torronata“ oder einen „Spongata“ – köstlich!
Sant’Agata
Die Verdi-Route geht noch weiter.Der Nachbarort Sant’Agata im Gebiet von Piacenza ist obligatorisch für Verdi-Fans. Hier in der Villa Verdi, die noch heute von den Erben bewohnt wird, lebte Verdi mit seiner zweiten Frau, der Sängerin Giuseppina Strepponi.
Ein Spaziergang durch den romantischen Park lohnt sich. Wir genießen die Ruhe und lassen die musikalischen Eindrücke ausklingen. – vielleicht mit dem Ohrwurm aus „Rigoletto“ – La donna è mobile…..
Culatello: Der Culatello aus Zibello ist schwierig herzustellen. Das Schweine-Muskelfleisch wird in Birnenform gebunden und die Reifung ist langwierig und kompliziert und benötigt die Winternebel und die für die Po-Ebene so typische Hundstagehitze im Sommer. Nach 15 Monaten Reife kann man einen Aufschnitt von abgestufter Farbe probieren. Das Aroma von Moos, Rosen sowie Wein- und Wurstkeller muß man spüren. Der Geschmack ist weich.
Den besten Culatello kauft man in der Boutique della Carne, Piazza Garibaldi 4 in Zibello. Hier können Sie ihn probieren und eventuell dürfen Sie auch den Reifekeller besichtigen.
Käse: Den besten Parmigiano können Sie in Soragna kaufen in der Caseificio Sociale Pongennaro, Strada per Carzeto N.137.
Friederike Kramer
