Nord-Norge: Träumen in der Mitternachtssonne
Wer die Einsamkeit sucht, ist hier richtig. Oberhalb des Polarkreises leben gerade mal zwei Prozent der norwegischen Bevölkerung. Genießen lässt sich das in Zeiten der nicht untergehenden Sonne bei angenehmen Temperaturen: der Golfstrom macht es möglich.
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Foto: Andrea Giubelli/Innovation Norway
Die Lofoten bestehen aus 80 Inseln
Eine der Hauptattraktionen des Landesteils ist unsichtbar: Der Polarkreis. Jenseits der in Landkarten verzeichneten Linie liegt die nördlichste Region Norwegens: Nord-Norwegen ist dafür bekannt, dass in einem gewissen Zeitraum Tag und Nacht eins sind: Die Mitternachtssonne taucht den nur spärlich besiedelten Landesteil in ein besonderes Licht.
Unterteilt ist Nord-Norge noch einmal in drei Regionen: Der südlichste Teil ist Nordland, lang und schmal, geprägt von einer Küstenlinie von stolzen 14.000 Kilometern. Den Polarkreis kreuzt Nordland etwa auf Höhe des Saltfjells. Im Polarkreiszentrum erhalten Sie Ihr Polarkreiszertifikat.
Auch den stärksten Gezeitenstrom der Welt, das sind Ausgleichsströmungen des Meeres ins Landesinnere, kann man in Nordland bestaunen: Den Saltstraumen, gelegen 30 Kilometer östlich der Stadt Bodø, Durch eine 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breite Meerenge zwischen den Inseln Straumen und Straumøy, strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser in die Meerenge hinein und wieder heraus. Der Strom erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometer, wodurch gewaltige Strudel entstehen. Sie können einen Durchmesser von bis zu 10 Metern erreichen und mehr als 4 Meter in die Tiefe reichen.
Die Küstenstraße Rv17 (Riksvei 17) führt eine Brücke über den Strom und bietet beeindruckende Perspektiven. Der Saltstraumen ist auch ein beliebter Angelplatz, da mit dem nährstoffreichen Wasser auch Fische angelockt werden. Angeblich wurde am Saltstraumen auch ein Weltrekord-Seelachs gefangen, der 22,3 Kilogramm wog.
Von Nordland ist es auch nur noch ein „Katzensprung“ auf die Lofoten: Die Inselgruppe, bestehend aus 80 Inseln, ist durch den Vestfjord vom Festland getrennt und per Fähre zu erreichen. Die wichtigsten Inseln sind durch Brücken oder Tunnel miteinander verbunden.
Zu Unrecht nur Durchgangsstation: Die Region Tromsø
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Foto: Bård Løken/Innovation Norway
Nordlicht über Tromsø
Als „Paris des Nordens“ gilt Tromsø, die größte Stadt der Region Troms. Nördlich von Nordland gelegen, untergliedern viele Inseln eine gebirgige Landschaft. Tatsächlich kann sich Tromsø mit seinen Museen, einer Universität und seinen Clubs und Bars als einzige echte Stadt nördlich von Trondheim bezeichnen. Das Erlebniszentrum „Polaria“ informiert über die Polarregion und die Barentssee, im Polarmuseum werden berühmte Expeditionen erlebbar, ausgestellt sind auch Kuriosa wie der Backenzahn von Roald Amundsen. Wissenswertes zur Tier- und Pflanzenwelt Nordskandinaviens erfährt der Besucher im Tromsø-Museum, ein Schwerpunkt ist eine Ausstellung zur Geschichte und Kultur der Samen.
Hoch hinaus: Nördlicher geht es nimmer
71° 10‘ 21“ – das ist die Positionsangabe, die für viele Touristen das eigentliche Traumziel Nordlands darstellt: Das Nordkap, der nördlichste Punkt Europas. Die Mitternachtssonne taucht die Landschaft in ein ganz besonderes Licht. Der Blick auf die Barentssee ist atemberaubend. Der Nordpol ist schon ganz nah – ist das wirklich noch Norwegen?
Genau wie Hammerfest (9000 Einwohner), die nördlichste Stadt der Welt, liegt das Nordkap in der dritten Region Nordlands, der Finnmark. Auf knapp 50.000 Quadratkilometern dieses Landstrichs leben gerade Mal 76.000 Menschen, ein Drittel dieser Menschen sind Samen. Nicht mehr jeder von ihnen ist ein echter Nomade, der mit seinen Rentieren durch die Tundra zieht, faszinierend sind die Eindrücke in dieser einzigartigen Gegend allemal.
Eindrücklich auch die Dimensionen: Von Oslo sind es rund 2100 Kilometer bis zum Kap. Wer noch weiter nach Norden will, nach Kirkenes, ganz am Ende der Europastraße gelegen, reist weitere 500 Kilometer über die „Arktische Route“.
