Eines ist klar: Innsbruck ist ein Schmuckstück. Verwinkelte Gassen, prachtvolle Bauten – dazu ein imposantes Alpenpanorama. Keine andere Stadt liegt so unmittelbar in den Bergen, nirgendwo sonst sind sich städtische Kultur und alpine Natur so nah wie hier.
„Insprugge“ – so nannte man damals die kleine Brücke über den Fluss Inn. Ihr verdankte die kleine Siedlung direkt an der Brennermündung den Namen und den finanziellen Aufstieg. Denn wer zum hiesigen Marktplatz wollte, musste blechen. So wurde aus einem kleinen Dorf schnell eine wohlhabende Stadt. Den entsprechenden Ruhm erlangte Innsbruck dann, als es zum Regierungssitz der Habsburger ernannt wurde – also derjenigen Dynastie, die in Europa die Geschicke leitete. Fortan galt es als politischer und künstlerischer Mittelpunkt Europas. Heute sind die Spuren der Habsburger immer noch vielfältig; sie machen Innsbruck zu einer historische Stadt. Aber Innsbruck wäre nicht Innsbruck, wenn damit der Steckbrief der Stadt abgeschlossen wäre. Nein, Innsbruck hat mehr zu bieten als seine wirklich beeindruckende Vergangenheit.
Im den Wintermonaten entpuppt es sich als bezauberndes Skigebiet, das seine Urlauber sogar kostenlos im umweltfreundlichen Skibus zu den Pisten befördert. Ski alpin, Snowboarden, Langlauf, aber auch Rodeln, Eislaufen, Eisstockschießen und eine Fahrt mit dem Bob durch den Eiskanal sind hier möglich. Nicht umsonst war Innsbruck zweimal innerhalb von zwölf Jahren Austragungsort der Olympischen Winterspiele! Und selbst wenn der Freizeitsportler nicht mit den gleichen Ambitionen wie die damaligen Wettkämpfer herreist, kann er sich dennoch die dafür geschaffenen Sportanlagen zunutze machen.
Die Altstadt rund um die Herzog-Friedrich-Straße
Innsbruck hat den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtkern von ganz Österreich. Besonders deutlich wird dies auf der zentralen Herzog-Friedrich-Straße. Fast jedes Gebäude kann mit der habsburgischen Vergangenheit in Beziehung gesetzt werden und dient gleichzeitig gegenwärtigen Anliegen. Typisch für den Städtebau der monarchischen Zeit sind vor allem die schönen Lauben und Arkadengänge, die morgens durch gemütliche Jausentische beherrscht werden. Außerdem findet man hier das kleine, aber prächtige Wahrzeichen Innsbrucks, das Goldene Dachl. Dieser Prunkerker vor Kaiser Maximilians Residenz ist über und über mit feuervergoldeten Kupferschindeln bedeckt und sollte damals Innsbrucks Rolle als Zentrum Europas darstellen. Das Goldene Dachl ist in seiner Art einzigartig und es hätte nicht besser positioniert werden können: Wer von Süden kommt, wird nämlich nicht nur mit dem Prestigebauwerk des Kaisers konfrontiert, sondern auch mit der atemberaubenden Kulisse der Alpen, die sich im Hintergrund hoch auftürmen. Direkt gegenüber befindet sich der 51 Meter hohe Stadtturm, der dazu einlädt, die Stufen zur Aussichts-Plattform hinaufzusteigen. Oben angekommen scheint die Zeit still zu stehen. Welch ein Ausblick auf die eindrucksvolle Bergwelt und die romantische Altstadt! Wer den Innsbrucker Stadtkern um die Herzog-Friedrich-Straße richtig auskosten möchte, sollte sich dafür mindestens zwei Stunden Zeit nehmen. Vor allem die Ottoburg, das Helbinghaus, das Café Katzung und der Doms zu St. Jakob lohnen einen Besuch!
Prachtvolle Bauten am Rennweg
Den besten Eindruck vom Innsbruck der Habsburger verschafft man sich am Rennweg, wo die Kaiserliche Hofburg mit ihrer Hofkirche und dem Hofgarten liegt. Der vierflügelige Bau der Hofburg beherbergte mehrere Generationen der Dynastie. Ganz besonders die Prunkräume mit den wertvollen Fresken, den außergewöhnlich schönen Marmor- und Holzböden, eleganten Lüstern strahlen immer noch den Reichtum und die kaiserliche Macht vergangener Zeiten aus. Mehr als imposant ist dabei der Riesensaal, der auch Familiensaal genannt wird. Hier hängen alle Porträts der kaiserlichen Familie und das berühmte Deckenfresko von Maulbertsch, das die Vereinigung der Häuser Habsburg und Lothringen zum Haus Habsburg-Lothringen darstellt. In den Schauräumen des Museums geben Hunderte Exponate Einblick in das Leben der höfischen Bewohner. Der Burghof ist im Sommer Schauplatz der Innsbrucker Promenadenkonzerte. Um jungen Menschen den Zugang zur Kultur leicht zu machen, zeigt sich die Hofburg Innsbruck außerdem ausgesprochen familienfreundlich. Jeden Sonntag bittet man zur Familienführung, die für Kinder, Jugendliche und deren Begleitung kostenlos ist. Natürlich schließt sich an die Gebäude – wie es sich für eine Hofburg gehört – auch ein Hofgarten an. Anfänglich ein bescheidender Küchengarten, wuchs er unter Ferdinand II. zu einer zehn Hektar großen Grünanlage heran. Heute ist der Hofgarten die grüne Lunge Innsbrucks, ein Naherholungsgebiet mit einem vielfältigen Baumbestand, einer Teichanlage, einem Palmenhaus, einem modernen Kinderspielplatz und einem beliebten Gartenrestaurant. Außerdem finden hier regelmäßig Konzerte und Parties statt.
Unweit der Hofburg liegt die Hofkirche. Sie birgt das bedeutendste Kunstwerk Innbsrucks, das weit über die Grenzen Tirols bekannt ist: das Grabdenkmal Kaiser Maximilians I. Dieser hatte zu Lebzeiten die gewaltige Vision, sich und seiner Familie mit einem Grabmal ewigen Ruhm zu verschaffen. Also entwarf er eine Ruhestätte, die pompöser nicht sein könnte. Wäre das Denkmal fertiggestellt worden, umgäben es vierzig überlebensgroße goldene Figuren als Trauerwache, hundert kleine Statuen der Heiligen des Hauses und dreißig Kaiserbüsten. Der Plan ging nicht auf, die Figuren sind weder vollzählig, noch vergoldet und auch der Sarkophag ist letzten Endes leer geblieben – Maximilian I. wurde in der Wiener Neustadt begraben. Das ändert aber nichts an der hohen kunsthistorischen Bedeutung der Grabmals-Anlage, die als die größte Westeuropas gilt.
Schloss Ambras
An der südöstlichen Stadtgrenze von Innsbruck liegt ein weiteres Monument habsburgischer Zeiten: Schloss Ambras. Schloss Ambras ist eine Sehenswürdigkeit von besonderem Ausmaß. Ferdinand II. lebte hier im Hochschloss mit seiner Familie. Er ließ das Gebäude von einer mittelalterlichen Burg in einen Renaissancepalast umbauen und feierte im pompösen Spanischen Saal aufwändige Feste. Gleichzeitig war der Erzherzog begeisterter Sammler und trug im Stile der Epoche die unterschiedlichsten Schätze zusammen: Neben Gemälden, Harnischen sowie Gold- und Silberschmiedearbeiten finden sich in den Ambraser Sammlungen Kunstgegenstände und Kuriosa aus aller Welt, wissenschaftliche Instrumente oder Souvenirs aus fernen Ländern, aber auch Porträts von wunderlichen Menschen. Ferdinand II brachte seine riesige Sammlung in der Kunst- und Wunderkammer des Unterschlosses unter – sie ist für Besucher frei zugänglich. Damit fördert der Renaissancefürst noch heute die Künste und Wissenschaften. Sein Beitrag für die Nachwelt ist von unschätzbarem Wert. Für eine ausführliche Besichtigung sollte man unbedingt mindestens einen halben Tag veranschlagen. Der wunderschöne Schlosspark lädt dabei mit seinen gepflegten Landschaften zur Erholung ein und das Schlosscafé bietet den geeigneten Ort zur Stärkung.
Moderne in Innsbruck
Innsbruck verfügt auch über andere Seiten. In der Gegend um die Maria-Theresien-Straße treffen historische Elemente auf moderne Architektur. Einerseits sieht man hier die Annasäule, ein Wahrzeichen Innsbrucks, das an die Befreiung von den Bayern erinnert, sowie den monumentalen Barockpalast des Alten Landhauses, den heutigen Sitz der Tiroler Landesregierung. Ebenso die majestätische Triumphpforte ist Zeitzeuge der Habsburger Dynastie. Andererseits finden sich hier zukunftsweisende Beispiele heutigen Schaffens wie das Neue Rathaus, ein architektonisches Prestigeobjekt mit gläsernen Fronten und geradlinigen Formen, oder das Stadtforum der Bank für Tirol und Vorarlberg, ein minimalistischer Kontrast zum historischen Schnörkel. Auch die Skisprungschanze auf dem Bergisel ist ein besonderes Baukunstwerk, das sich mit seiner futuristischen Erscheinung zu einem Wahrzeichen der Stadt Innsbruck aufgeschwungen hat. Hinauf kommt man mit dem sogenannten Schrägaufzug, der Personen trotz fünfzigprozentigen Gefälles immer in waagerechter Position transportiert. Gerade für Kinder ist eine Fahrt mit dieser Bahn ein aufregendes Erlebnis!





