Norrlands Wilder Westen

Wer Einsamkeit nur schwer ertragen kann, sollte ein anderes Urlaubsdomizil wählen, denn Norrland ist spärlich besiedelt. So bleibt mehr Platz für mächtige Natur. Es heißt, Norrland sei Europas letzte Wildnis.

Es ist eine Landschaft der Extreme: Im Westen Norrlands befindet sich mit dem Kebnekaise (2.104 Meter) der höchste Berg Schwedens, sowie mit dem Hornovan der tiefste See. 232 Meter misst er bis zu seinem Grund. Im westlichen Norrland ist eines der ältesten Völker der Welt zuhause, die Samen, die sich selbst allerdings als staatenunabhängig ansehen. Nur wenige hundert Kilometer weiter befindet sich ein modernes Weltraumzentrum, von wo aus bald Touristen auf einen Spaziergang in den Kosmos starten. Die Temperaturen schwanken zwischen minus und plus 30 Grad Celsius, und obwohl die Sonne im Winter nicht aufgeht, gehört die Gegend zu den sonnenreichsten Regionen Schwedens.

Urlauber müssen naturverliebt sein, um die Landschaften des westlichen Norrlands zu schätzen. Wer seine Ferien am liebsten abseits von Metropolen und Straßenlärm verbringt, auf verlassenen Pfaden wandert, der findet in Schweden keine bessere Gegend dafür.

Zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis

Im milden Sommer zeigt sich die ungezähmte Rauheit der Region und die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. Durchschnittliche Mitteleuropäer kennen sie nur aus dem Tierpark: Wölfe, Bären, Luchse, Vielfraße und natürlich Elche. In klaren Gewässern von Trinkwasserqualität leben zahlreiche Lachse und Forellen. Wer wandern, bergsteigen oder skifahren will, findet sein Revier in den Gebirgsmassiven und Bergketten – das Wintersportangebot ist im westlichen Norrland ausgezeichnet.

Im Winter zeigt sich noch ein anderes „Highlight“: Das Nordlicht durchzieht den Himmel fernab von Schwedens hellen Großstädten mit farbenfrohen Schlieren. Die Samen glaubten früher, dass die bunten Funken aus den Fellen der Polarfüchse stammen, die nachts durch Wälder und Tundren jagen. Auf finnisch heißt das Nordlicht bis heute „revontulet“, zu deutsch Fuchsfeuer. In der Deutung der Südschweden sind hingegen die Samen für die Himmelslichter verantwortlich, die funkenstiebend durch die Berge rannten, um ihre Rentiere einzufangen.

Die Pforte nach Lappland

Besonders gut ist das Polarlicht vom Aussichtsberg Nuolja aus zu betrachten. Auf dem Gipfel, der einfach mit einem Sessellift zu erreichen ist, steht die Aurora Sky Station, wohl der beste Ort in ganz Schweden, um die Lichter zu betrachten. Von hier aus haben Besucher einen unverstellten Blick auf „Lapporten“, das Tor Lapplands, einen U-förmigen Einschnitt zwischen zwei Bergen. Beinah sieht es so aus, als würde die Bergkette dem Betrachter zulächeln. Und wenn dieser schon ein paar Tage in Nordschweden verbracht hat, wird der entspannte Besucher mit Sicherheit zurück lächeln.

Weitere Highlights im westlichen Norrland sind:

Kiruna

Kiruna ist der Fläche nach die größte Stadt Schwedens, ebenso die nördlichste und besitzt eine der größten Eisenerzminen der Welt. Sie unterhält die Stadt, so dass die Bevölkerung in den kommenden Jahrzenten immer weiter nach Nordwesten umsiedelt, um Einbrüche zu vermeiden. Kiruna ist ein guter Startpunkt für viele sportliche Aktivitäten und Ausflüge. Unweit liegt der Kebnekaise, mit 2.104 Metern Schwedens höchster Berg, und der zivile Raketenstartplatz Esrange, den man besichtigen kann. In einigen Jahren sollen von hier auch zahlungskräftige Weltraumtouristen ihre Flüge antreten.

Neben einem Wettbewerb für Eisskulpturen findet jeden Winter im Samen-Dorf Jukkasjärvi, das etwa 17 Kilometer von Kiruna entfernt liegt, ein weltweit einzigartiges Spektakel statt: Das Icehotel wird neu vollkommen aus Schnee und Eis gebaut. 60 Hotelzimmer, ausgestattet mit Rentierfellen und Polarschlafsäcken, sowie eine Bar versprechen ein einmalig bizarres Erlebnis bei Minusgraden. Aktivitäten wie Hundeschlitten- oder Schneescooterfahren gehören zum weiteren Angebot Jukkasjärvis.

Nationalparks und Weltkulturerbe Laponia

Als erstes europäisches Land überhaupt erklärte Schweden 1909 Abisko zum Nationalpark. Von den heute 28 schwedischen Nationalparks liegt jeder vierte im westlichen Norrland. Die Landschaft bietet hier vor allem karges Hochgebirge, weitläufige Tundra und Gletscher mit glasklaren Flüssen sowie morastige Hochebenen und Urwälder aus Kiefern und Birken. Zur Fauna gehören zahlreiche Vogelarten, Vielfraße, Polarfüchse, Braunbären und natürlich auch Elche (im Sommer auch hungrige Mückenschwärme). Zum Teil sind die Parks so umfassend geschützt, dass nicht einmal Wanderwege durch die Natur führen, was den Wandersmann dank Jedermannsrecht trotzdem nicht von einem Besuch abhält. Ein fundierter Erfahrungsschatz ist Grundvoraussetzung um sich in diese Wildnis zu wagen.

Die vier Parks Muddus, Padjelanta, Sarek und Stora Sjöfallet haben zusammen eine Fläche von 9.400 Quadratkilometern und bilden , die Heimat der samischen Urbevölkerung. Etwa jeder Zehnte verdient dort seinen Lebenserhalt mit der Rentierzucht. Im Jahr 1996 hat die Unesco die Region zum Weltnatur- sowie Weltkulturerbe erklärt. Wer sich für die uralten Bräuche und Kulturen der Samen interessiert, besucht in Jokkmokk das Museum Ájtte und genießt im Restaurant ÿjtte typisch samische Speisen.

Weitwanderweg Kungsleden

Foto: Alexandre Buisse, imagebank.sweden.se

Der bekannteste Weitwanderweg Schwedens ist der Kungsleden, oder Königspfad. Er gliedert sich in zwei Strecken: 440 Kilometer führt der nördliche Teil von Abisko nach Hemavan, der südliche Abschnitt verläuft auf 350 Kilometern von Sälen nach Storlien. Die nördliche Route ist aufgrund der guten Beschilderung, Ausstattung mit Hütten und einer einfachen Anreise nach Abisko (per Auto über die E10 oder per Nachtzug von Stockholm aus) sehr beliebt und auch von ungeübteren Wanderern zu bezwingen. Auf der nördlichen Strecke kann die Anreise nach Storlien ebenfalls mit dem Zug erfolgen, oder mit einem Überlandbus. Diese Route ist weniger touristisch und die von der „Svenska Turistföreningen“ betreute Hütten liegen manchmal mehr als einen Tagesmarsch auseinander, sodass die Übernachtung in Zelten unvermeidbar ist.

Auf beiden Strecken ist hochwertige Wanderausrüstung, die sich bereits auf Touren bewährt hat, Vorraussetzung, da das Wetter oft umschwingt und es häufig Regenschauer und Hagel gibt.

Sportressort Åre

Åre ist das größte zusammenhängende Skigebiet Schwedens und wohl auch das beliebteste. Es war bereits Gastgeber von zwei Alpinen Skiweltmeisterschaften, zuletzt im Jahr 2007. Mehr als 30 moderne Liftanlagen transportieren jedes Jahr Wintersportler den Berg Åreskutan herauf, wo ihnen insgesamt 91 Abfahrtskilometer zur Verfügung stehen.

Doch der 1.300-Seelen Ort ist nicht nur vom Wintersport dominiert. Im Sommer wird es zum Zentrum für Mountainbiker mit einem eigenen Bikepark, der von Mai bis Mitte Oktober geöffnet ist. Auch findet jedes Jahr die Åre Extreme Challenge statt, ein Multisportevent bestehend aus 25 Kilometer Kajakfahren, 15 Kilometer Laufen und 32 Kilometer Radfahren.

Neben dem Angebot an Hochleistungssport wie Paraskiing und Eisklettern gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern, Fliegenfischen, Golfen und Reiten. Nicht entgehen sollte man sich außerdem das Samendorf Njarka westlich von Duved, wo auch das Übernachten in traditionellen Samizelten möglich ist.